WM 2003 Seite 9

Fußball-Frauen - Deutschland ist Weltmeister!

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Goldene Zeiten für den deutschen Frauenfußball?

Goldene Zeiten für den deutschen Frauenfußball?

Frauenfußball WM 2003

Theune-Meyer sieht Bundesliga gefordert

Keine Frage: Deutschlands Fußballerinnen haben sich dank ihrer Galaauftritte bei der WM in den Fokus des Interesses gespielt. Doch der obligatorische Kampf um eine dauerhafte Anerkennung wird auch nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft in den USA weitergehen. "Es kommt jetzt darauf an, was die Bundesliga-Vereine aus der Situation machen. Welche Ideen sie haben und wie es mit den Strukturen weitergeht", sagt DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer, die jetzt die Clubs der Eliteliga gefordert sieht.

Die Vereinsbosse nehmen die Steilvorlage der Nationalmannschaft gerne auf und versprechen ihrerseits eine weitere Professionalisierung der Liga. "Das Halbprofitum ist für die Topspielerinnen in Sicht", befindet Siegfried Dietrich, Manager des deutschen Meisters und DFB-Pokalsiegers 1. FFC Frankfurt. Der Macher der Hessinnen sieht die Bundesliga sogar auf dem Sprung zur stärksten Liga der Welt und wertet den Erfolg der Theune-Meyer-Elf bei der WM auch als versteckten Triumph über die US-amerikanische Pleiteliga WUSA: "Der deutsche Vereinsfußball kann im Gegensatz zur WUSA gesunde Wettbewerbsstrukturen aufweisen, sowohl im sportlichen als auch im wirschaftlichen Bereich. Unsere Galionsfiguren werden nach der WUSA-Pleite zu uns zurückkehren und für einen weiteren Aufschwung sorgen."

Nelle: "Müssen die Initiative ergreifen"

Alsbald könnte es sogar die besten internationalen Spielerinnen aus der Konkursmasse der WUSA in die Bundesliga ziehen, wie Theune-Meyer unlängst unkte. Doch DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle warnt vor allzu viel Optimismus. Trotz der derzeit 850.000 weiblichen Mitgliedern im DFB - immerhin eine Quote von rund 15 Prozent - sieht Nelle mittelfristig die konstante Weiterentwicklung des Frauen-Fußballs gefährdet.

Der Schlüssel zum Erfolg ist für den Delegationsleiter des deutschen WM-Trosses die Basisarbeit an den Schulen. "Wer sagt, dass Talente von alleine zu uns kommen, hat vergessen, dass früher auf der Straße gespielt wurde. Heute siehst du eine Wiese und ein Schild: 'Fußball verboten'", kritisierte Nelle und sieht den DFB gefordert. "Wir müssen die Initiative ergreifen und über die Kultusminister der Länder den direkten Zugang zu den Schulen anvisieren." Trotzdem erhofft sich Nelle ob der glänzenden Auftritte bei der WM eine Signalwirkung für den Frauenfußball.

Zahlreiche Talente, homogene Mannschaft

Theune-Meyer setzt indes auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung. "Das Ganze erfolgt nicht wie eine Explosion", weiß die 49-Jährige, die vor 18 Jahren als erste Frau die A-Trainerlizenz des DFB erwarb. Ihren Teil zum langsamen, aber stetige Aufschwung hat "TTM" mit einer Ausbeute von vier EM-Titeln und Olympia-Bronze beigetragen.

Doch auch in den kommenden Jahren steht der Nationalmannschaft, die am Dienstag wie vor 15 Monaten die Vize-Weltmeister um Oliver Kahn auf dem Balkon des Römers in Frankfurt empfangen werden, eine rosige Zukunft bevor. Nach den Rücktritten von Rekord-Nationalspielerin Bettina Wiegmann (154 Länderspiele), Maren Meinert und Steffi Jones bleibt bis zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen noch genug Zeit, um die zahlreichen Talente in eine homogene Mannschaft einzubauen.

Garefrekes avanciert zur Aufsteigerin

Ihr goldenes Händchen im Umgang mit Nachwuchsspielerinnen hat Pfarrerstochter Theune-Meyer zu Genüge bewiesen. Bei der WM avancierte die zuvor fast nur als Ersatzspielerin in Erscheinung getretene Kerstin Garefrekes zur Aufsteigerin. Die 24-Jährige vom Bundesligisten Heike Rheine erzielte bis zum Finale in fünf Partien vier Tore, so viel wie zuvor in 18 Länderspielen.

"Dass ich überhaupt bei der WM dabei sein werde, war für mich vor einem halben Jahr noch unvorstellbar", sagt Garefrekes und wundert sich selbst ein wenig über ihren Aufstieg, der deutlich rasanter vonstatten ging als die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs.

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