WM 2003 Seite 4

Fußball-Frauen - Deutschland ist Weltmeister!

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Das kleine Wunder von Carson

Das kleine Wunder von Carson

Deutschland ist Fußball-Weltmeister! Vielmehr "Weltmeisterin". "Macht es besser als wir", hatte Rudi Völler noch vor dem Finale den Kickerinnen mit auf den Weg gegeben, und damit auf die Niederlage seines Teams gegen Brasilien im WM-Finale 2002 angespielt. Die Frauen machten es besser. Sie besiegten in einem rein europäischen Finale in Carson (Los Angeles/USA) Schweden mit 2:1. Die Tore für das deutsche Team schossen Maren Meinert und Nia Künzer. Die deutsche Mannschaft lag allerdings noch zur Halbzeit durch einen Treffer von Hanna Ljungberg 0:1 zurück. Das "Golden Goal" entschied schließlich über den neuen, erstmaligen Weltmeister: Künzer, erst in den letzten Minuten der zweiten Hälfte gekommen, erzielte es in der Verlängerung (98. Minute) per Kopf.

Deutschland klarer Favorit

Das Team von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer war als Favorit in die Begegnung gegangen. Schließlich hatten die deutschen Frauen noch im Finale der Europameisterschaft 2001 durch ein Golden Goal gegen Schweden gewonnen. Ein weiterer - vermeintlicher - Pluspunkt: Die mit sieben Treffern beste Torjägerin des Turniers, Birgit Prinz, stand in den eigenen Reihen. Sie bekam nach dem Finale für ihre Treffsicherheit von Fifa-Präsident Joseph Blatter den goldenen Schuh überreicht. Mit 23 Toren in den fünf Spielen vor dem Finale war Deutschland ohnehin die Mannschaft der Stunde. Zumal sogar die hochfavorisierten USA in der Vorschlussrunde geschlagen werden konnte. Der Titelverteidiger gewann am Tag zuvor im Spiel um Platz drei gegen Kanada mit 3:1.

Schweden führte zur Halbzeit
In der ersten Halbzeit hatten die 26.000 Zuschauer nicht viel Freude am Spiel. Zu wenig Torraumszenen bekamen sie im "Home Depot Center"-Stadion von Carson zu sehen. Die Schwedinnen erkämpften sich zum Ende der ersten Hälfte allerdings immer häufiger den Ball - und wurden in der 41. Minute für ihren Einsatz belohnt. Ljungberg erzielte nach einem Pass von Victoria Svensson die zu diesem Zeitpunkt durchaus verdiente 1:0-Führung, mit der es auch in die Pause ging.

Meinert erzielt den Ausgleich
War in der ersten Halbzeit noch Birgit Prinz die deutsche Stürmerin mit den besseren Chancen, so änderte sich das mit Beginn der zweiten Hälfte: Nach Vorarbeit von Prinz erzielte Maren Meinert nicht mal eine Minute nach Wiederanpfiff den Ausgleichstreffer. Ein munteres Spiel entwickelte sich in der Folgezeit. Die Deutschen bekamen das Match immer besser in den Griff und erspielten sich zahlreiche hochkarätige Chancen. Prinz und Meinert tauchten immer wieder vor der schwedischen Torhüterin Caroline Jönsson auf. Der Siegtreffer aber wollte nicht fallen.

Keine Entscheidung nach 90 Minuten
Im Gegenteil: Es ging wieder in die andere Richtung. Deutschland überließ immer häufiger den Schwedinnen die Initiative. Als logische Konsequenz daraus ergaben sich nun wieder mehr Möglichkeiten für die Skandinavierinnen. Vor allem Victoria Svensson überzeugte durch starke Aktionen und brachte die deutsche Abwehr ein ums andere Mal in Bedrängnis. Nach 90 regulären und drei nachgespielten Minuten stand fest: Das Spiel muss in der Verlängerung und durch Golden Goal entschieden werden.

Eine goldrichtige Einwechslung

Es sollte die Verlängerung von Einwechselspielerin (88.) Nia Künzer werden: Mit dem Tor in der 98. Minute krönte sie das tolle Auftreten der Frauen-Fußballnationalmannschaft bei der WM in den USA. Das "goldene Einwechsel-Händchen" von Theune-Meyer sollte schließlich zum "goldenen Tor" führen. Mit dem Finalsieg führte sie zudem als erste Frau eine Mannschaft zum WM-Titel und empfand am Ende einfach nur "Freude pur". Nach fünf Europameisterschaften und dem verlorenen WM-Finale von 1995 landeten Deutschlands Fußballerinnen endlich den ersehnten ganz großen Wurf.

Einladung vom Bundeskanzler
"Ich freue mich wahnsinnig. Das ist ein stolzer Tag für Deutschland. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft mindestens zehn gute Chancen gehabt, deshalb ist der Sieg verdient", lobte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der dem Frauen-Fußball eine "tolle Entwicklung" bescheinigte. Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag übermittelte die Glückwünsche von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der das erfolgreiche Team spontan zu sich einlud. Maren Meinert aber wollte erstmal nur feiern: "Das haben wir uns jetzt verdient."

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