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"Fair ist mehr": Bundessieger 2002/2003
Auch 2003 zeichnet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder
Fußballspieler und Funktionsträger aus, die während der vergangenen Saison durch
außergewöhnlich faires Verhalten aufgefallen sind. Im Rahmen der DFB-Aktion
"Fair ist mehr", die in Zusammenarbeit mit den Regional- und Landesverbänden
durchgeführt wird, wurden nunmehr aus insgesamt 365 Einsendungen die fünf Sieger
ausgewählt. Die Bundessieger werden in Hamburg im Rahmen des
EM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft am 11. Oktober 2003 (17
Uhr) gegen Island ausgezeichnet. Zwei Spieler, ein Betreuer, ein
Vereinsvorsitzender und eine Trainerin werden bei der Partie Ehrengäste des DFB
im Hamburger Stadion sein.
Hier folgt die Schilderung der Aktionen
der Preisträger im Einzelnen:
Verzicht auf Torerfolg
Bundessieger: Dominik
Stahl (TSV Tauberbischofsheim) Verband: Badischer
Fußball-Verband Spielklasse: Hallenturnier der
C-Junioren Datum: 04.01.2003 Endspiel des Hallenturniers
mit Ringsumbande in Niederstetten. Ein Spieler des VfR Heilbronn liegt verletzt
am eigenen Strafraum. Der Torwart möchte den Ball über die Bande ins Seitenaus
spielen und verlässt dazu sein Tor. Der Ball prallt jedoch von der
Bandenoberseite zurück in die Spielfeldmitte, wo Dominik Stahl völlig
alleinstehend den Ball unter Kontrolle bringt. Weit und breit ist kein
Gegenspieler, der ihn davon abhalten könnte den Ball ins leere Tor zu schieben
(circa fünf Meter bis zum Tor). Es wäre etwa zwei Minuten vor dem Ende der
Ausgleich gewesen. Dominik Stahl aber dribbelt mit dem Ball zwei bis drei Meter
neben das Tor und lupft ihn dem Trainer der Heilbronner in die Arme. Erst nach
dieser Aktion unterbricht der Schiedsrichter das Spiel. Der TSV
Tauberbischofsheim verliert das Endspiel am Ende mit 2:3, und das entscheidende
Tor für den VfR Heilbronn schoss der kurze Zeit vorher verletzte Spieler.
Rücksicht auf den verletzten
Gegenspieler
Bundessieger: Wilhelm Holub (Spvgg
Hirschlanden) Verband: Württembergischer
Fußball-Verband Spielklasse: TSV Heimsheim II - Spvgg Hirschlanden II,
Kreisliga C Senioren Datum: 20.10.2002 In der 85.
Spielminute laufen ein Angreifer von Hirschlanden mit Ball und ein Verteidiger
von Heimsheim auf den Torhüter von Heimsheim zu. Der Torwart kann den Ball
abwehren, doch alle drei Spieler bleiben am Boden liegen und der Torhüter hat
sich bei dieser Aktion verletzt. Der Ball springt zur Seite und kommt zum
Hirschlander Stürmer Wilhelm Holub. Dieser schiebt den Ball nicht in das leere
Tor, sondern spielt ihn ins Seitenaus, damit der verletzte Torwart behandelt
werden kann. Zu diesem Zeitpunkt steht es 5:4 für Heimsheim. Es wäre kurz vor
Schluss der Partie der Ausgleich gewesen.
Klasse nicht gehalten, aber Fairplay
gesichert
Bundessieger: Ullrich Kallasch (FSV "Glückauf"
Brieske-Senftenberg) Verband: Fußball-Landesverband
Brandenburg Spielklasse: FSV "Glückauf" Senftenberg - MSV Hanse
Frankfurt, Verbandsliga Männer Datum: 10.05.2003 Beim
Verbandsligaspiel zwischen dem FSV "Glückauf" Brieske-Senftenberg - MSV Hanse
Frankfurt war drei Spieltage vor Saisonschluss klar, dass nur ein Sieg den
Gastgebern die Chance auf den Klassenverbleib erhalten würde. Entsprechend
konzentriert war die Vorbereitung auf diese Begegnung. Doch wenige Minuten vor
dem Anstoß ist die gegnerische Mannschaft nicht vollzählig, da mehrere Spieler -
darunter auch der Torwart - noch im Stau stehen. Doch es wäre möglich, das Spiel
zu beginnen, da mindestens sieben Spieler der Gäste anwesend sind. Auf Befragen
der Briesker, ob diese dennoch das Eintreffen weiterer Gästespieler abwarten
würden, bejaht dies der Briesker Betreuer Ullrich Kallasch in fairer Weise.
Welchen Vorteil hätte die Briesker Mannschaft in Überzahl gehabt. So aber wartet
man noch und das Spiel beginnt verspätet - und mit zwei vollzähligen
Vertretungen. Am Ende gelingt den Frankfurtern mit einem 2:1-Auswärtssieg der
vorzeitige Klassenverbleib, während die Briesker diesen verspielen.
Kein Sieg am grünen Tisch
Bundessieger:
Jürgen Becker (SG Rosbach/Verscheid) Verband:
Fußball-Verband Rheinland Spielklasse: SG Roßbach/Verscheid -
Eintracht Trier II, Halbfinale Rheinlandpokal Datum:
10.05.2003 Im Halbfinale des Rheinlandpokal setzten sich die
Amateure von Eintracht Trier gegen die SG Roßbach/Verscheid in der Verlängerung
durch ein Tor des Lizenzspielers Tobias Lorig mit 3:2 durch. Anschließend gibt
es Proteste wegen des Einsatzes des Lizenzspielers aus dem Trierer
Zweitbundesliga-Teams. Vorausgegangen war eine missverständliche Aussage seitens
des Fußballverbandes Rheinland, wonach die Trierer diesen Akteur hätten
einsetzen dürfen. Nach einem erneuten Dialog zwischen Fußballverband und dem DFB
stellte sich allerdings heraus, dass Lorig nicht hätte spielen dürfen.
Jürgen Becker, Vorsitzender von Roßbach/Verscheid, übergibt den Einspruch
gegen die Spielwertung mit einer klaren Aussage: "Wir wollen keine Wertung am
grünen Tisch, sondern beantragen ein Wiederholungsspiel". Die
Verbandsspruchkammer setzt das Spiel auch neu an, die Partie wird dann von
Eintracht Trier (A) mit 4:0 gewonnen. Das Verhalten der SG Roßbach/Verscheid ist
außergewöhnlich. Vorsitzender Jürgen Becker hat nicht nur den Unmut seiner Fans
im eigenen Verein hingenommen. Er hat von sich aus beantragt, einen sportlichen
Weg zu verfolgen, obgleich er auch eine Spielwertung durch die
Verbandsspruchkammer hätte erhalten können. Dies ist besonders hervorzuheben, da
nicht selten eine Protestwut ohne Vergleichsbereitschaft an den Tag gelegt wird,
um Eigeninteresse Geltung zu verschaffen - und zwar in vergleichsweise
unbedeutenderen Angelegenheiten. Vorliegend ging es letztlich um die weitere
Teilnahme an einem Landespokal-Wettbewerb, in dem der siegreiche
Verbandsvertreter an der DFB-Pokal-Hauptrunde teilnimmt und damit - bei
entsprechendem Losglück - als Gegner eine attraktive Lizenzmannschaft zugelost
bekommt. Im übrigen: Der Gegner in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde wäre Bundesligist
Borussia Dortmund gewesen.
Spiel verloren, doch Fußball und Fairness haben
gewonnen
Bundessieger: Birgit Sarge (VfB
Peine) Verband: Niedersächsischer
Fußball-Verband Spielklasse: VfB Peine - VfL Bienrode, D-Juniorinnen,
Kreisliga Datum: 22.09.2002 Zu dem Spiel VfB Peine - VfL
Bienrode tritt die Gästemannschaft, wieso oft in dieser Anfangssaison, in
Unterzahl an. Dessen ungeachtet, dass die Trainerin vom VfB Peine, Birgit Sarge,
ausreichend Spielerinnen zur Verfügung hätte, lässt sie ihr Team ebenfalls in
Unterzahl auflaufen. Obwohl ihre Mannschaft am Ende mit 8:10 verliert, ändert
sie nichts an ihrer sportlichen fairen Entscheidung. Da die Juniorinnen des VfL
Bienrode von anderen Mannschaften, bei denen sie in Unterzahl antreten, mit
zweistelligen Niederlagen nach Hause geschickt werden, ist diese Geste von
Birgit Sarge und dem VfL Peine mehr als nur sportlich fair anzusehen. Trotz der
vielen hohen Niederlagen half dieser Sieg, die Mädchen des VfL Bienrode beim
Fußball zu halten.
Quelle:
DFB
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