Im Vorfeld des EM-Qualifikationspiels gegen Zypern am Samstag in
Hannover hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zum elften Mal die Sieger
der Aktion "Fair ist mehr" ausgezeichnet. Die Preise wurden von
Frauen-Weltmeisterin Martina Müller übergeben.
"10 Jahre 'Fair ist mehr' ist ein außergewöhnliches Jubiläum. Ihre
Taten verdienen höchste Anerkennung", sagte DFB-Vizepräsident Rolf
Hocke in seiner Dankesrede. "Wenn man die Begeisterung für die WM 2006
und bei den Spielen unserer Nationalmannschaft betrachtet, dann möchte
ich vor allem hervorheben, wie friedlich und harmonisch diese
Veranstaltungen abliefen."
Auch Herbert Fandel, Schirmherr der Aktion, bedankte sich bei den
Preisträgern und betonte, dass "die Aktionen der Gewinner zwar meist
kleine und nicht entscheidende Handlungen innerhalb eines Spiels" sein,
"aber auch viele Tropfen Wasser können ein Feuer löschen", so der
FIFA-Schiedsrichter. "Vor allem für junge Sportler ist der Wettbewerb
'Fair ist mehr' ein großer Ansporn. Das ist förderlich für die
Charakterbildung der Nachwuchsspieler", ergänzte DFB-Trainer Horst
Hrubesch.
Über 3000 Meldungen aus allen Landesverbänden und Spielklassen
gingen seit der Gründung der Arbeitsgruppe "Fair Play" 1997 beim DFB
ein. Mehr als 50 Sieger wurden bei Länderspielen gekürt. Die
Preisträger des Jahres 2007, die aus 412 Meldungen ausgewählt wurden.
haben in der vergangenen Saison wieder beeindruckende Gesten der
Fairness auf dem Fußballplatz gezeigt.
Zur Begegnung der C-Junioren-Bezirksliga zwischen dem Eckernförder
SV und dem TSV Klausdorf am 3. Dezember 2006 war kein Schiedsrichter
erschienen. Die beiden Klubs einigten sich auf einen Betreuer der
Heimmannschaft als Spielleiter. Der hatte gleich zu Beginn der Partie
zwei strittige Situationen an den Strafräumen beider Teams zu
beurteilen. Und in der zweiten Hälfte sprang der Ball an die Hand eines
Eckernförder Spielers, der danach ein Tor erzielte. Aus Sicht des
Schiedsrichters ein einwandfreier Treffer. Die Folge: Proteste der
Akteure und vor allem der mitgereisten Eltern und Betreuer. Nur
TSV-Kapitän Jan-Niklas Kiek blieb ruhig – trotz des
Zwischenergebnisses von 0:2. Er ermahnte seine Mitspieler, forderte sie
ständig zu Fairness auf und half somit sehr, die aufkommenden Emotionen
zu beruhigen. Jan-Niklas zeigte damit vielen älteren Begleitpersonen an
der Außenlinie eindrucksvoll, wie man mit vermeintlichen
Ungerechtigkeiten umgehen kann.
Die weiteren Preisträger:
Andreas Salzmann (DJK Spvg Mellrich)
Kreispokal, A-Junioren, DJK Spvg Mellrich gegen SuS Sichtig
20 Minuten im Kreispokalspiel DJK Spvg Mellrich gegen SuS Sichtig am
12. August 2006 waren absolviert. Es stand 2:0 für Sichtig, als der
Schiedsrichter auf Handelfmeter für Mellrich entschied. Andreas
Salzmann, der DJK-Mannschaftskapitän, schnappte sich den Ball und
versicherte dem Schiedsrichter, dass kein Handspiel vorgelegen habe,
folglich er den Elfmeter nicht schießen möchte. Übrigens: Am Ende
gewann die DJK Spvg Mellrich die Partie mit 4:2.
Uwe Mertens (VfB Uerdingen 1910)
Hallenstadtmeisterschaft, Bockumer SV – VFB Uerdingen 1910
6. und 7. Januar 2007. Hallenstadtmeisterschaft in Krefeld. Die
Finalrunde, von 800 Zuschauern besucht, geriet zu einer emotionalen
Angelegenheit. Im Halbfinale führte der VfB Uerdingen gegen den
Bockumer SV in einer packenden Begegnung bis kurz vor Schluss mit 2:1.
Einen Schuss auf das Uerdinger Tor konnte der VfB-Torwart nicht sicher
festhalten. Die Frage, ob der Ball die Torlinie überschritten hatte,
war für den Schiedsrichter nicht zweifelsfrei zu erkennen. Uwe Mertens,
der hinter der Bande stehende Co-Trainer des VfB Uerdingen, zeigte
jedoch sofort und deutlich an, dass es ein korrekter Treffer gewesen
war. Dies bedeutete den Ausgleich und die Verlängerung, in der sich der
VfB Uerdingen dann aber noch für das Finale qualifizieren konnte.
Hacali Gök (KSV Vahdet Salzgitter)
D-Junioren, KSV Vahdet Salzgitter – Fortuna Lebenstedt
Mitte
der ersten Halbzeit sprach der Schiedsrichter bei der Begegnung KSV
Vahdet Salzgitter gegen Fortuna Lebenstedt am 5. September 2006 – es
stand 1:0 für Vahdet – dem KSV einen sehr umstrittenen Elfmeter zu. Bei
der Aktion hatte sich ein Spieler von Vahdet leicht verletzt und wurde
behandelt. In dieser Pause überzeugte KSV-Trainer Hacali Gök den
Schiedsrichter, dass es kein Elfmeter war, sondern mit Eckball weiter
gehen musste.
Julia Mühlberg (FV Löchgau)
Frauen-Regionenliga, SV Winnenden – FV Löchgau
In der 53. Minute beim Stand von 1:1 am 29. April 2007 setzte sich
Julia Mühlberg vom FV Löchgau gegen die Abwehr des SV Winnenden durch.
Frei vor dem Tor schoss sie die Torfrau an, die sich bei dieser Aktion
verletzte und nicht mehr reagieren konnte. Der Abpraller rollte zu
Julia Mühlberg zurück. Doch sie kickte den Ball nicht ins Tor, sondern
ins Aus, um die Behandlung der gegnerischen Torfrau zu ermöglichen.
Mit der Fair-Play-Plakette wird Jacek Krzynowek vom VfL
Wolfsburg geehrt. Der Bundesliga-Profi kann die Auszeichnung heute
nicht persönlich entgegen nehmen, da er mit der polnischen
Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation auf Belgien trifft.
Krzynowek verzichtete in der Partie gegen Borussia Dortmund am 4. Mai
2007 beim Stand von 1:0 für Borussia Dortmund in aussichtsreicher
Schussposition auf einen Torschuss, weil er einen Dortmunder Akteur am
Boden liegen sah. Der polnische Nationalspieler beförderte den Ball
stattdessen ins Aus. Bei den Zuschauern löste diese Aktion – immerhin
kämpften beide Vereine um den Klassenerhalt – zunächst Verblüffung und
danach Bewunderung aus.