WM 1998 |
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Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften |
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„Allez les Bleus“ Unglaublich, in welcher Weise sportliche Erfolge eine ganze Nation beflügeln können: 1998 wird die „Équipe tricolore“, das Team des Gastgebers, nach dem Gewinn des ersten WM-Titels geradezu vergöttert. Selbst die Denker der „Grande Nation“ melden sich ob des Triumphes zu Wort. Der Philosoph Pascal Bruckner sieht Frankreich aus einer „Depression“ heraustreten und der Schriftsteller Jean d‘ Ormesson versteigt sich zu der Erkenntnis, dass Fußball das konstitutive Element eines neuen Gesellschaftsvertrags sei. Ob sich die französischen Ball-Akrobaten der Tragweite ihres Tuns bewusst sind? Dabei haben sie nur das gemacht, was sie perfekt beherrschen – eben Fußballspielen. Und das mit einer Souveränität, die schon beängstigend ist. Im Finale ist Brasilien beim 0:3 nicht nur chancenlos, sondern wird teilweise sogar vorgeführt. |
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| Deutschland ein schlechter
Verlierer Die hätte auch der deutschen Nationalmannschaft gut zu Gesicht gestanden. Zu viele Mitläufer, schon mit Glück in die Runde der letzten Acht aus erstmals 32 Mannschaften gestolpert – beim 0:3 gegen Kroatien werden der DFB-Elf deutlich die Grenzen aufgezeigt. Spielwitz und Technik bleiben in einer Mannschaft Mangelware, in der der alternde Lothar Matthäus – als erster Feldspieler der Fußball-Geschichte in fünf WM-Endrunden eingesetzt – noch einen der wenigen Lichtblicke darstellt. Ausgerechnet
ihm unterläuft ein folgenschwerer Abspielfehler, in dessen Folge Christian Wörns
sich zu einem Foul an Kroatiens WM-Torschützenkönig Davor Suker genötigt sieht
und dafür „Rot“ sieht – der Anfang vom Ende der Deutschen bei der WM 1998. Sie
erweisen sich dann auch noch als schlechte Verlierer: Bundestrainer Berti Vogts
macht sich mit seinem Verdacht, einen gezielten Komplott erkennen zu können,
lächerlich. Der große Pelé bringt es – richtiger – so auf den Punkt: „Die
Deutschen hatten niemand im Mittelfeld mit Gehirn. Sie konnten nur kämpfen.“ |
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| Football‘s coming home -
viel zu früh Händereiben hingegen in den Niederlanden, denn der Nachbar zieht ins Halbfinale ein. In Amsterdam, Rotterdam und Arnheim sind die Kneipen bis auf den letzten Platz gefüllt, als es gegen Brasilien um das Ticket nach Paris geht. Die Niederlande spielen überragend, genauso wie Brasilien – es kommt zum Elfmeterschießen. Dort versagen den „Oranjes“ bei Welt- und Europameisterschaften regelmäßig die Nerven. Auch diesmal. In Kroatien hingegen herrscht grenzenloser Jubel über den dritten Platz nach dem 2:1 über Holland. Auf der britischen Insel wird ein Spieler zum Prügelknaben auserkoren, dem die Mädchen nur so nachlaufen. Ebenso die Presse – in diesen Tagen aber nur, um diesen blonden Mann weiter in die „Pfanne zu hauen“. Sein Name: David Beckham, eine von Englands großen Hoffnungen. Sein Missgeschick: Rot im Achtelfinale gegen Argentinien. Die Folge: Aus im Elfmeterschießen, Football‘s coming home - viel zu früh, meinen die Engländer. Da tröstet es auch nur wenig, dass mit Michael Owen ein neuer Stern am Fußball-Himmel aufgeht. Untröstlich sind auch die Nigerianer. Als heimlicher Anwärter auf den WM-Titel angetreten, scheitern sie bereits im Achtelfinale mit 1:4 an Dänemark.
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| Deutsche Hooligans
schockieren die Welt
Für
horrendes Aufsehen sorgen indes die Hooligans. Erst prügeln sich in Marseille
englische Krawallmacher mit nordafrikanischen, dann kommt es in Lens zu
entsetzlichen Szenen, die unvergessen bleiben: Im Vorfeld der Partie zwischen
Jugoslawien und der DFB-Elf rasten deutsche Hooligans vollends aus und treten
den französischen Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode. Der Gendarm überlebt,
bleibt aber zeitlebens schwer behindert. |
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