Leichtathletik-Kreistag 2007: Wencke Nagel die neue »Chefin« der Bielefelder Leichtathleten
Foto: Jörg Manthey
»Sprung ins kalte Wasser«
Wenke Nagel die neue »Chefin« der Bielefelder Leichtathleten
Von Jörg M a n t h e y (Westfalen-Blatt)
B i e l e f e l d (WB). Er verzichtete auf ein »Heimspiel« in Recklinghausen, wollte lieber der großen Dame der Bielefelder Leichtathletik seine Referenz erweisen und sie gebührend verabschiedet wissen: Beim Leichtathletik-Kreistag im »Fichtenhof « hielt der westfälische Verbandsvorsitzende Hans-G. Schulz die Laudatio auf die ausscheidende Gerda Winkler. Mit Wenke Nagel (LG/PSV) wählten die 48 stimmberechtigten Delegierten aus 17
Vereinen erneut eine Frau an ihre Spitze.
Nicht nur Gerda Winkler, auch Kreiskampfrichterwart Hermann Halff, Sportwart Bernd-Gerhard Arndt sowie Schüler- und Jugendwart Gregor Winkler stellten sich nicht mehr zur Wiederwahl, was Schulz als »echte Zäsur für den Kreis Bielefeld« empfand. »Bleibt uns treu,« rief er den scheidenden Mandatsträgern zu. »Ihr habt ein riesiges Erfahrungspotenzial und werdet immer noch gebraucht.«
Mit der Silbernen Ehrennadel des DLV wurden für ihren tatkräftigen Einsatz Siegmund Papiernik (SV Brackwede) und Annika Wilke (BTG) ausgezeichnet. Gerda Winkler würdigte Papierniks Engagement als »über das normale Maß hinaus gehend« und schmunzelte: »Keiner sorgt für so vorbildlich planierte Weitsprunganlagen.
Selbst als er die 70 weit überschritten hatte, ließ er sich die Harke von Jüngeren nicht aus der Hand nehmen.« Nachdem die frühere Sprinterin Annika Wilke ihre aktive Laufbahn verletzungsbedingt früh beenden musste, sagte sie der Leichtathletik nicht ade.
Im Jahr 2000 ließ sich sich zur Kampfrichterin ausbilden, besuchte Fortbildungslehrgänge. Auf sie sei immer Verlass, auch wenn ihr Wohnsitz zwischenzeitlich in Osnabrück sei. »Beispielhaft und vorbildlich,« lobte Winkler. Zwei weitere Ehrungen sollen bei den westfälischen A-Jugendmeisterschaften nachgeholt werden. Dank guter Vorarbeit wurde der Tagesordnungspunkt Neuwahlen rasch und einstimmig abgehakt.
Neue KLA-Vorsitzende ist die 37-jährige Wenke Nagel (LG/PSV). Die zweifache Mutter wirkt seit fünf Jahren als Trainerin bei der LG und leitet dort eine Gruppe mit vier- bis siebenjährigen Kindern.
»Ich bin ins kalte Wasser gesprungen. Das Amt ist mit Beruf und Familie vereinbar.« Eines ihrer großen Ziele sei es, für eine bislang nicht gekannte Verzahnung zwischen Schule und Leichtathletik zu kämpfen.
Die Verwaltungsangestellte wird dabei unterstützt von Senioren-und Breitensportwart Hans-Eugen Schang (61, ASG Teutoburger Wald), der bis zu einer Verletzung auf allen Laufstrecken bis 100 Kilometer zu Hause war.
Sportwart Stefan Günther (37, BTG) ist ein »alter Hase«; er hatte dieses Amt schon zwischen 1995 und 2003 inne. Seit 1980 betreibt die neue Kampfrichterwartin Ingeborg Hupel (33, VfB Fichte) Leichtathletik, ist auch noch Kampfrichterin und Trainerin.
Verhindert war Jugendwart Thorsten Hüttker (VfB Fichte).
In dankbarer Anerkennung für die geleistete Arbeit überreichte Hans-G. Schulz Gerd Winkler einen schmucken Kristallblock.
Ohne Gegenstimme wurde die langjährige »Chefin« zur Ehrenvorsitzenden des Leichtathletikkreises erkoren. In seiner Eloge würdigte Schulz die »allseits hoch geschätzte, gewissenhafte und qualifizierte « Gerda Winkler als »Persönlichkeit, die die Leichtathletik über Bielefelds Grenzen hinaus mehr als 30 Jahre lang geprägt hat.« Er skizzierte ihren Funktionärs-Werdegang ab 1976 (Kampfrichterwartin), erinnerte daran, dass sie Unterschriften
für den Bau der Seidensticker Halle gesammelt hatte, bei Europameisterschaft (1986) und Weltmeisterschaft (1993) im Einsatz war und für ihr Tun schon hoch dekoriert wurde mit Sportehrenbrief und Ehrenplakette.
Der Verbandsvorsitzende zitierte Salvador Dali: »Abschied ist die Geburt der Erinnerung« und ergänzte: »Und die Geburt eines neuen Lebensabschnitts«.
Geehrt für ehrenamtliche Arbeit, die »über das normale Maß hinaus« gehe: Siegmund Papiernik (SV Brackwede), seit 1976 Kampfrichter, bekam von Gerda Winkler die DLV-Ehrennadel in Silber.
Kein Titel
Foto: Jörg Manthey
Eine positive Entwicklung
84 aktive Kampfrichter
Bielefeld (WB). Keine Stimme erhob sich: Einmütig wurden beim harmonisch verlaufenden Leichtathletik-Kreistag die Berichte der KLA-Führungsriege abgesegnet.
Sportwart Bernd-Gerhard Arndt berichtete von 42 Leichtathletikveranstaltungen, die im Jahr 2006 in Bielefeld durchgeführt wurden. Dies sei »eine erhebliche Steigerung« gegenüber 2004 gewesen. Er mahnte die Anmeldefristen für Veranstaltungen an, die bis vier Wochen vor dem Tag X beim Ssportwart eingetroffen sein müssen. Arndt schloss mit einem Appell an die Leichtathletik treibenden Vereine, »noch enger zusammenzurücken. Denn nur gemeinsam
ist man stark genug, um die höher werden Hürden erfolgreich zu nehmen.«
Kreiskampfrichterwart Hermann Halff zeigte sich stolz über die Arbeit seiner Kollegen. »Nach den großen Verbandsveranstaltungen waren immer nur lobende Worte über die einzelnen Kampfgerichte zu hören.« Inzwischen verfüge der Leichtathletikkreis Bielefeld-Halle über 84 aktive KampfrichterInnen. Halff wies auf das Kampfrichter-Schulungsangebot in Kaiserau hin, das am 3. März mit einem EDV-Lehrgang für Anfänger beginne.
Bei den Kreisvergleichskämpfen in Gütersloh (2004) und Lage (2005) habe die Kreismannschaft leider nur auf den hinteren Plätzen abgeschnitten, bedauerte Schülerund Jugendwart Gregor Winkler. Er registrierte bei Meisterschaften »in einigen Klassen und vor allem bei technischen Disziplinen immer wieder eine sehr geringe Beteiligung. « Als Ausblick zeichnete er angesichts wachsender Anmeldezahlen eine »positive Entwicklung, die aber auch
neue Herausforderungen birgt.« Eine gute Ausbildung der Trainer und Funktionäre werde immer wichtiger. Und dort sieht Gregor Winkler »in Einzelfällen Nachholbedarf.«
Geehrt: Die Ex-Aktive und nach Verletzungs-Aus inzwischen langjährige Kampfrichterin Annika Wilke.
Gerda Winkler (rechts), die Ehrenvorsitzende des Kreis-Leichtathletik-Ausschusses, ehrte auf dem FLVW Kreistag die besten Bielefelder Athleten des Jahres 2006. Von links Jana-Sarina Ruhe, Kaspar Przybylko, Marcia Röper, Sascha Greshake und Freya Heinzel . Auf dem Foto fehlt der verspätete Elias Sansar. – Foto: Werner Jöstingmeyer (Westfalen-Blatt)
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»Nah dran am Geschehen«
Bei Gerda Winkler steht der Athlet im Mittelpunkt
Bielefeld (WB/jm). Eigentlich wollte sie schon mit 65 Jahren kein Ehrenamt mehr bekleiden. »Meine Grundeinstellung ist, dass der Sport möglichst von jungen Leuten verwaltet werden soll,« sagt Gerda Winkler, die schließlich doch noch ein Jahr über ihre selbst gesteckte Grenze gehen musste, ehe sie eine geeignete Mannschaft für die Nachfolge des amtsmüden KLA überzeugen konnte. »Aber ich werde den Mitgliedern natürlich weiterhin beratend
zur Seite stehen,« verspricht Gerda Winkler.
Ihr Blick zurück fällt überwiegend positiv aus; mit dem Makel, dass sie es 2001/02 nicht schaffte, die Bielefelder Leichtathletik zu einen, als die Stiftung der Sparkasse Bielefeld bereit und willens war, eine beträchtliche Summe in ein zukunftsweisendes Konzept zu investieren. »Das war sicherlich meine schwärzeste Stunde. Ich befürchte, nach dem ganzen Theater ist dieser Zug vorerst abgefahren, auch für die neuen KLA-Mitglieder.
« In der Außendarstellung sei die verpasste Kooperation »ein Desaster« gewesen. »Die Klubs haben sich da selber beschädigt.« Winklers Credo: »Ich habe immer gesagt, ich arbeite an der Leichtathletik-Basis für die Schüler und Jugendlichen.« Die fänden im Landesleistungsstützpunkt Bielefeld, der nach einer strukturellen Änderung durch den FLVW jetzt offiziell »Ravensberger Land« heißt (dazu gehören Bielefeld, Bünde, Minden und Porta-Westfalica),
ein breit gefächtertes Angebot vor und mit dem Stadion Rußheide und der Seidensticker Halle prima ausgestattete Trainings-und Wettkampfstätten, die in ganz Westfalen »hoch im Kurs stehen.« Dass es im Oberzentrum an Spitzenathleten fehle oder diese dann, wenn sie so weit seien, abwandern würden, läge am fehlenden finanziellen Background.« Gleichwohl seien »tendenziell« erfreuliche Entwicklungen auszumachen, findet Winkler. So werde etwa der Stützpunkt von immer mehr Bielefelder Vereinen frequentiert.
Ihre Stimme im Verbandsrechtsausschuss ist als einziges offizielles Amt verblieben. »Ich werde ganz nah dran bleiben am Geschehen, « versprach die frisch gekürte Ehrenvorsitzende, »mit der Niederlegung eines Amtes wird nicht die Begeisterung für die Leichtathletik abgelegt. Wenn Not am Mann ist, bin ich da. Egal, in welcher Funktion, und wenn ich als Kampfrichterin einsteige.«
Ihr Schlusswort: »Ich wünsche uns allen, dass die Leichtathletik in Bielefeld sehr lebendig bleibt.« Ob Bündelung der Kräfte; in Lehrerkreisen dafür zu werben, die olympische Kernsportart wieder mehr in den Sportunterricht zu integrieren oder die mäßige Außendarstellung zu verbessern – derlei Terrain sei es, auf das sich der neue KLA verstärkt begeben müsse. »Es ist noch einiges möglich, « glaubt Gerda Winkler.
Der Verbandsvorsitzende Hans G. Schulz hielt die Laudatio auf Gerda Winkler, die sich nach mehr als 30 Jahren Mirarbeit im KLA aus der vordersten Reihe verabschiedete und seit Freitag Ehrenvorsitzende ist.
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