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DFB-Team feiert bis tief in die Nacht

DFB-Team feiert bis tief in die Nacht

Frauenfußball WM 2003

DFB-Team feiert bis tief in die Nacht

"Goldköpfchen" Künzer die neue Heldin

Nur Sekunden nach dem erlösenden Golden Goal zum 2:1 (1:1, 0:1) im WM-Finale gegen Schweden bewiesen die frischgebackenen deutschen Weltmeisterinnen und ihr Anhang auch beim Jubeln außergewöhnliche Qualitäten: Torfrau Silke Rottenberg betete, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder klatschte euphorisch seinen "Vize" ab und "Joker" Nia Künzer befreite sich auf allen Vieren aus dem über ihr tobenden Menschenknäuel.

Immer wieder im Mittelpunkt stand vor den Toren Hollywoods die neue Heldin Künzer, die auf dem Weg zur Siegerehrung von ihren Mannschaftskameradinnen spontan mit einer eigenen Hymne ("Es gibt nur eine Nia") bedacht wurde.

Stimmung auf dem Siedepunkt

Es war das erwartete Stück harte Arbeit bis zum ersten WM-Titel im kalifornischen Carson und der Wachablösung, doch nach dem Happyend fiel allen Beteiligten der berühmte Stein vom Herzen. "Ich verspüre eine Mischung aus Dankbarkeit und Stolz. Dieser Sieg ist nicht Trainerleistung, sondern das Ergebnis von Teamarbeit. Der Mannschaft gratuliere ich zu einem tollen Turnier und zum verdienten Titel", zog DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer sachlich Bilanz, während zur gleichen Zeit die rheinische Frohnatur Rottenberg die etwas burschikosere Ausdrucksweise wählte: "Was gibt es Geileres, als Weltmeister zu sein. Deutschland, die Party kann beginnen", jubelte die zur besten Torfrau der WM gewählte Rottenberg.

Bis in die Nacht hinein feierte die deutsche Mannschaft ihren zweiten per Golden Goal errungenen Titelcoup binnen zwei Jahren gegen Schweden. 2001 hatte die DFB-Elf ihren fünften EM-Sieg ebenfalls mit dem "goldenen" Treffer in der Verlängerung besiegelt. Die Stimmung erreichte beim abendlichen Bankett im Hilton-Hotel ihren Höhepunkt, als der DFB-Pressebeauftragte Michael Herz unter dem Gejohle der Weltmeisterinnen ("Oh wie ist das schön") ein vor Turnierbeginn leichtfertig abgegebenes Versprechen einlöste und sich den Bürstenhaarschnitt eines für die Sicherheit beim deutschen Team zuständigen US-Soldaten zulegen ließ.

Siegprämie und eigenes Trikot

Zuvor hatte DFB-"Vize" Engelbert Nelle den im Laufe der Nacht immer frenetischer gefeierten Erfolg auf die simple Formel "Ein guter Tag für Deutschland" gebracht, während Boss Mayer-Vorfelder eine eigens engagierte bayerischen Blaskapelle munter dirigierte. Aufs Gemüt drückte einzig der Abschied der beiden Spielmacherinnen Bettina Wiegmann und Maren Meinert, die mit Sprechchören ("Maren Meinert Fussballgott") in den verdienten Ruhestand geschickt wurden.

Auch die ersten Glückwunsch-Telegramme ließen nicht lange auf sich warten. Bundespräsident Johannes Rau gratulierte ebenso wie Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die DFB-Elf spontan ins Bundeskanzleramt einlud. Grund genug für Mayer-Vorfelder, dem neuen Weltmeister angesichts des hart erkämpften Erfolges 15.000 Euro Siegprämie pro Kopf sowie ein eigenes Trikot mit einem Stern für die Weltmeisterschaft zu versprechen.

Wiegmann: "Der schönste Tag"

Auch die Spielstatistik unterstrich die Berechtigung des Sieges, der mit offiziell 26.137 Zuschauern im Home Depot Center von Carson eine gebührende Kulisse fand. Mit 21 Schüssen aufs Tor (Schweden: 13) und einem Eckenverhältnis von 24:2 verdiente sich der neue Weltmeister den Sieg redlich. Trotzdem blieb nicht nur Theune-Meyer in der Schlussphase bei jedem Angriff der gefährlichen Spitzen Victoria Svensson und Hanna Ljungberg der Atem stocken. "Ich hatte bis zum Ende meine Bedenken. Unser Spiel lief nicht so ruhig wie gewohnt. Vielleicht haben wir zu emotional gespielt", meinte die 49-jährige "TTM".

Dass in einem jederzeit unterhaltsamen Endspiel mit der in der 88. Minute eingewechselten Künzer ausgerechnet eine Auswechselspielerin in der achten Minute der Verlängerung für den Sudden Death der Schwedinnen sorgen durfte, wunderte Wiegmann nach ihrem 154. und letzten Länderspiel überhaupt nicht.

"Das zeichnet unsere Mannschaft aus, jede einzelne kann ein Spiel entscheiden", betonte "Tine", die um 12.28 Uhr Ortszeit unter dem Jubel des deutschen Trosses endlich die Gratulationen von FIFA-Präsident Sepp Blatter ("Deutschland ist die beste Mannschaft der Welt") entgegennahm und den "Pott" im Blitzlichtgewitter der Fotografen in den Konfettiregen reckte. Die 32 Jahre alte Spielführerin selbst fand dann die passendsten Worte für ihren Abschied: "Ein Ende mit Stil und mit Sicherheit der schönste Tag meiner sportlichen Laufbahn."

Gebibbert und gebetet

Unterdessen musste die goldene Torschützin Künzer fast eine Stunde lang der Weltpresse Frage und Antwort stehen. Die in Botswana als Tochter eines Entwicklungshelfers geborene Spielführerin des 1. FFC Frankfurt war nach drei Kreuzbandrissen erst im Januar dieses Jahres wieder zur Nationalelf gestoßen und konnte ihr Glück auch Stunden nach Spielschluss noch nicht fassen. "Es ist ein unglaubliches Gefühl. Eigentlich wollte ich nur noch ein bißchen Dampf machen, aber ein Tor im Finale toppt natürlich alles."

Torfrau Rottenberg schnupperte derweil nach dem Duschen bei einer Runde im leeren Stadion noch einmal einen letzten Hauch WM-Luft und schrieb den Siegtreffer höheren Mächten zu. "Vor dem Freistoß, der zum Tor führte, habe ich gebibbert und gebetet: Lieber Gott, wir haben es verdient. Der Ball muss jetzt drin sein."

Als er dann drin war, herrschte zumindest bei Mittelfeldstar Meinert erst einmal Verwirrung vor. Etwas ungläubig wandte sie sich an ihre Mannschaftskameradinnen und ließ sich versichern, dass das Spiel tatsächlich beendet war.

Im Mittelfeld klafft eine Lücke

Nach einer für die meisten Spielerinnen extrem kurzen Nacht stand am frühen Montagmorgen dann die Abreise von der Stätte des größten Erfolges an. Mit der Zwischenstation San Francisco trat der neue Weltmeister die Heimreise nach Frankfurt/Main an, wo am Dienstag um 11.30 Uhr am Römer die erste Ehrung auf heimischem Boden wartet.

Theune-Meyer dachte unterdessen bereits an die Zukunft. Mit der zur erfolgreichsten Torschützin (sieben Tore) und besten Spielerin des Turniers gewählten Birgit Prinz hat die Trainerin zwar einen absoluten Weltstar in ihren Reihen, doch im Mittelfeld klafft mit dem Abgang von Wiegmann und Meinert eine große Lücke. Theune-Meyer: "Wir haben ein paar gute Nachwuchsspielerinnen, aber die Zeit zur Integration bis Olympia im kommenden Jahr könnte zu kurz sein."

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