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Fußball-Frauen - Deutschland ist Weltmeister!

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«Ich bin vom deutschen Team sehr angetan»

«Ich bin vom deutschen Team sehr angetan»

Von Gero Bisanz

Ich habe die deutschen Spiele gegen Kanada und Argentinien gesehen und war sehr angetan. Die Leistung gegen Argentinien war sehr ansprechend, gegen Kanada war ich mit der ersten Halbzeit nicht zufrieden. Da klappte das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen nicht. In der zweiten Halbzeit wurde es dann besser. Frau Theune-Meyer hat da wohl zur Pause die richtige Ansprache gefunden.

Sonst habe ich noch Spiele von Brasilien und Norwegen gesehen. Die Norwegerinnen haben mich ein bisschen enttäuscht. Aus früheren Zeiten war ich von ihnen immer einen kraftvollen Fussball gewohnt, gemischt mit technischem Können. Dieses Können hat sich nicht verbessert, sie spielen immer noch ihre langen Bälle, aber können sie nicht mehr so kontrollieren, wie die früheren Spielerinnen. Überrascht haben mich bisher die Kanadier, weil sie gegen Deutschland lange Zeit mitgehalten haben. Ich denke, das liegt sehr stark an Trainer Even Pellerud, einem guten Freund von mir. Er hat Kanada auf ein gutes Niveau gebracht, das hätte ich dem Team in dieser Form nicht zugetraut.

Die deutsche Mannschaft wird im Viertelfinale gegen Russland keine Probleme haben. Die Russinnen spielen immer sehr defensiv. Das deutsche Team wird das Spiel gewinnen, da bin ich mir sicher. Wenn die Russinnen es schaffen, Birgit Prinz an die Leine zu legen, wird es allerdings ein bisschen schwer werden, aber die Deutschen haben ja noch Maren Meinert, Renate Lingor und Bettina Wiegmann in ihren Reihen. Das sind Spielerinnen, die auch eine gefestigte Abwehr aus den Angeln heben können, wenn sie einen guten Tag haben.

Ich kann nicht sagen, ob das deutsche Team Weltmeister werden kann. Dazu kenne ich die Konkurrenten aus China und den USA zu wenig, um das beurteilen zu können. Ich kann mir vorstellen, dass die Amerikanerinnen auch im Umbruch sind und vielleicht nicht mehr so stark, wie in den 90-er Jahren. Wenn das Spiel gegen Russland gut läuft, hat die Mannschaft sicherlich das Selbstvertrauen, weit zu kommen. Ich hoffe, dass sie das Endspiel erreicht. Dort ist dann alles möglich, auch wenn das eine Floskel ist.

Es ist schon ein Verlust, dass Steffi Jones verletzt ist, aber ich denke, dass dies kompensiert werden kann. Sie hat im ersten Spiel im defensiven Mittelfeld gespielt, dann in der Abwehr, wo sie auch hingehört, weil sie ein gutes Auge hat und gut antizipieren kann. Sie ist zwar nicht die Schnellste, aber sie macht mit ihrem Auge, mit Ihrer Art, ein Fussballspiel zu lesen, alles wett.

Ich habe festgestellt, dass 1989 bei unserer ersten Europameisterschaft in Deutschland und vielleicht auch noch bei den Turnieren danach das Kombinationsspiel sauberer war. Das ist jetzt schwieriger, weil die Athletik heute bei vielen Teams ausgeprägter ist. Da hat die Technik nicht ganz mitgehalten. In unserem Team ist das aber ziemlich ausgeglichen. In der Mannschaft sind ja viele Spielerinnen mit großer Erfahrung, die noch unter mir gespielt haben, wie Maren Meinert, Steffi Jones, Sandra Minnert, Bettina Wiegmann, Birgit Prinz oder Renate Lingor. Ich glaube, ihr technisches Können ist mit der verbesserten Kondition gewachsen.

Das Interesse an der deutschen Mannschaft ist in Deutschland im Laufe des Turniers gewachsen, obwohl die Spiele der Frauenfussball-Weltmeisterschaft bei uns ja sehr spät am Abend im Fernsehen laufen. Die Tagespresse berichtet mehr, als das noch in früheren Zeiten der Fall war. Auch die Einschaltquoten sind nicht so schlecht.

Die Pleite der WUSA ist ein ganz großer Schlag für den Frauenfussball im Weltverband. Ich habe das zwar nicht vorausgesehen, aber etwas geahnt. Es war ein bisschen zu früh, den Frauenfussball professionell zu betreiben, man hätte da bereits im Jugendbereich ein besseres Fundament aufbauen müssen.

Es ist schwer zu sagen, wie man den Frauenfussball weiter nach vorne bringen kann. In den Ländern, in denen der Männerfussball 100 Jahre alt ist und eine dominante Position einnimmt, wie in Deutschland, Italien oder Holland, da wird der Frauenfussball immer eine zweite Rolle spielen. Das ist weniger interessant für Medien und Sponsoren. Ich glaube, das wird leider so bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das ändern wird. Das ist in den USA anders, weil dort der Männerfussball nicht so dominant ist. Man kann nur scheibchenweise etwas tun, und die Scheibchen sind sehr dünn, obwohl ich dem Frauenfussball weiter alles Gute und einen Aufwärtstrend in allen Bereichen wünsche.

Gero Bisanz war bis 1996 Trainer der deutschen Frauenfussball-Nationalmannschaft.

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