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«Die Kluft zwischen den Teams wird kleiner»

«Die Kluft zwischen den Teams wird kleiner»

Claudio Reyna: 'Die Kluft zwischen den Teams wird kleiner'

Von Claudio Reyna

Ich finde, dass die Qualität und die Klasse der Spielerinnen selbst und auch der Mannschaften aus allen Ländern bei der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft sich stetig verbessert. Bei der vorletzten Weltmeisterschaft war eigentlich von Anfang an klar, dass nur zwei oder drei Mannschaften tatsächlich für den Titelgewinn in Frage kamen. Doch jetzt, acht Jahre später, gab es gleich fünf oder sechs Mannschaften, die realistische Chancen auf den Weltmeistertitel hatten. In anderen Kontinenten, wie Südamerika oder Asien, sind die Entwicklungen ganz besonders viel versprechend. Insgesamt kann man in jedem Fall festhalten, dass die Qualität des internationalen Frauenfussballs sich deutlich verbessert hat und weiter verbessert.

Genau wie bei den Männern, wenn auch in kleinerem Maßstab, wenn man die Anzahl der teilnehmenden Länder berücksichtigt, wird die Kluft zwischen den Besten und der Konkurrenz immer kleiner. Für mich war die Mannschaft der USA vom Beginn der Weltmeisterschaft an die beste. Doch die Kluft wird kleiner, was nicht zuletzt dadurch bewiesen wurde, dass die US-Frauen durch die ungeheuer starke deutsche Mannschaft besiegt wurden. Ich glaube nicht, dass die US-Mannschaft hieran schuld ist, denn auch sie hat sich gegenüber früher verbessert. Doch die anderen Mannschaften gewinnen viel schneller an Boden, als man noch vor sechs oder sieben Jahren für möglich gehalten hätte.

Die gleiche Entwicklung gibt es übrigens auch bei den Männern, wo plötzlich Mannschaften wie aus dem Nichts auftauchen und sich sehr rasch verbessern und etablieren. Ich freue mich über diese Entwicklung. Es ist sicher noch viel zu früh, um über mehr als 16 Mannschaften bei der Endrunde (der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft) nachzudenken, doch sicher dauert es nicht mehr allzu lang, bis es 24 Mannschaften gibt, die bei einer Endrunde dabei sein könnten. Für alle ist es jedenfalls sehr viel interessanter geworden, da jetzt mehr als zwei oder drei Mannschaften realistische Siegchancen haben.

In England wurden vor vier Jahren nur die Halbfinals, das Spiel um Platz 3 und das Endspiel im Fernsehen übertragen. Dieses Mal hingegen wurde die Hälfte aller Spiele gezeigt, und alle Spiele der USA konnte man sogar live sehen. Einige Spiele wurden wegen der Zeitverschiebung als Aufzeichnungen gesendet, doch die Berichterstattung insgesamt ist deutlich umfangreicher geworden. Natürlich ist es immer noch kein TV-Spitzenereignis. Hinzu kommt, dass gerade die Meisterschaft beginnt und auch die Champions-League-Saison anfängt, so dass es sehr schwierig ist, die Aufmerksamkeit auf die FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft zu lenken.

Ich habe in den letzten Tagen mit einigen meiner Mannschaftskameraden und Trainer gesprochen, und die meisten sind voll des Lobes über die Frauen und ihren Fussball. Jeder weiß wohl mittlerweile, dass Frauen wirklich gut spielen können. Natürlich ist das Spiel langsamer, als bei den Männern. Das kann sich auch nicht ändern. Doch wenn man gerne Fussball sieht, dann muss man anerkennen, dass die Frauen wirklich gut und clever spielen, nur eben etwas langsamer als Männer. Und mehr muss man ja gar nicht anerkennen, denn man kann und darf im Sport die Leistungen von Männern und Frauen nie direkt vergleichen, schon allein wegen der Faktoren Kraft und Schnelligkeit nicht. Doch was die Ideen, die Spielgestaltung und die Technik angeht, wissen die Frauen definitiv, wie es geht. Man sieht gut organisierte Mannschaften und es macht Spaß, zuzuschauen. Und immer wieder kommen bessere Spielerinnen und neue Mannschaften hinzu.

Ich weiß nicht allzu viele Details über die Vorgänge in der WUSA. Nach der letzten FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft war der ideale Zeitpunkt für den Versuch, eine solche Frauenfussball-Profiliga zu etablieren. Um allerdings erfolgreich zu sein, hätte man wohl die Gehälter kürzen müssen. Ganz ehrlich, da wurde wohl zu viel bezahlt, insbesondere für die besten Spielerinnen, auch wenn die das nicht so gerne hören werden. Und vielleicht sollte man sich auch auf Regionen konzentrieren, wo Frauenfussball und Profitum im Allgemeinen besser akzeptiert werden. In Städten wie New York, San Jose oder San Diego ist es extrem schwierig, neue professionelle Mannschaften zu etablieren. In einigen dieser Städte haben sogar die Männermannschaften große Probleme.

Für den Frauenfussball könnte es klappen, wenn man sich auf andere, möglicherweise kleinere Märkte konzentriert, wie beim Carolina-Team. Dann müsste man in kleineren Stadien spielen und insgesamt noch einmal klein anfangen. Vielleicht wäre eine Liga mit anfänglich nur fünf Mannschaften günstig, die jedes Jahr ein wenig wachsen könnte. Auf jeden Fall ist eine Profiliga äußerst wichtig, denn sie hat nicht nur zu einer Verbesserung der US-Mannschaft geführt, sondern auch vielen anderen Ländern geholfen. Spielerinnen aus vielen Ländern kamen nach Amerika und konnten hier auf einem weit höheren Niveau spielen, als in ihren Heimatländern.

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