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"Leistungsfähig
und stark im Durchhaltevermögen"
Ein
Gespräch mit Monika Staab, der ersten Vorsitzenden und Trainerin
des 1. Frauen-Fußball- Clubs Frankfurt. (erfolgreichste 'Mannschaft'
in der Bundesliga-Geschichte)
Ist
der Fußball immer noch eine Männerdomäne? Das muss man so sagen.
Wir haben zwar viel aufgeholt und sind seit über 30 Jahren im 'erlaubten'
Fußball, wir durften bis 1972 nicht spielen. Natürlich ist der Männerfußball
uns etliche Jahre voraus, das muss man ganz ohne Neid eingestehen.
Wir sind aber dabei aufzuholen und den Frauenfußball populärer zu
machen. Vielleicht sind wir irgendwann einmal gleichgestellt, aber
das ist noch ein langer Weg dahin.
Warum
durften Sie seinerzeit nicht spielen, wer hat Ihnen das verboten? Das
war die 'graue Eminenz' des Deutschen Fußball Bundes. Der DFB ist
auch unser Verband, für den wir spielen, für den wir auch als Mitglieder
geführt sind. Er verstand zunächst nicht, wie Frauen sich überhaupt
erlauben können, Fußball zu spielen. Es hieß, die Sportart wäre
zu brutal, die Frauen – das hat sich zum Glück geändert – gehörten
hinter den Herd und müssten Kinder kriegen. Man musste in den Anfangszeiten
einen Brustschutz tragen, damit nichts passiert, man durfte nur
zwei Mal 25 Minuten spielen, man musste mit einem kleineren, leichteren
Ball spielen. Wir hatten also einige Hürden und Schikanen zu überwinden,
bis wir in dieser Hinsicht gleichgestellt wurde, und wir haben uns
letzten Endes durchgesetzt. Heute ist der DFB froh, dass auch wir
Frauen Fußball spielen.
Wann
entstand die erste Frauenfußball-„Mannschaft“ in der Bundesliga? Ich
habe kürzlich eine Frau kennen gelernt, die bereits 1925 Fußball
spielen wollte, aber es wurde damals regelrecht verboten. In der
Nachkriegszeit haben sich hier und da auch in England Frauen immer
wieder durchzusetzen versucht, es aber nicht geschafft. Gesellschaftlich
herrschte die Meinung vor, Frauen hätten mit Fußball nichts am Hut,
das wäre reine Männersache. Inzwischen sind viele Männer vom Frauenfußball
begeistert und gehen eher dorthin, weil sie dort noch „ehrlichen“
Fußball sehen. Ab 1972 war es den Frauen erlaubt, offiziell Fußball
zu spielen. Die erste deutsche Meisterschaft gab es 1974, 1981 kam
die Nationalmannschaft und erst dann durfte man international spielen,
1989 die zweigleisige Bundesliga. So ging es langsam weiter und
inzwischen sind wir nicht mehr das fünfte Rad am Wagen, sondern
die Nummer Eins im Frauensport mit über einer Million Aktiven. Fußball
ist auch für Frauen die „schönste Nebensache der Welt“ und viele
Mädchen haben das Talent für diesen Volkssport.
Spielen Frauen Fußball anders als Männer? Ich denke schon. Wir
wollen das Spiel zwar genauso spielen wie die Männer, aber es ist
oft ästhetischer, den Frauen zuzuschauen. Da wird nicht so gerangelt
wie bei den Männern, nicht so wie in einem Rudel aufeinander losgegangen,
wie man es leider in der Herren-Bundesliga jeden Samstag miterleben
muss. Wir wollen 'schönen' Fußball spielen, Tore machen. Das honorieren
mittlerweile auch die Zuschauer. Wir achten darauf, dass der Ball
rollt, dass nicht so sehr der Körpereinsatz im Vordergrund steht.
Inzwischen ist die Leistung auch dank besserer Trainer erheblich
gestiegen, alles athletischer, schneller und dynamischer geworden.
Wir konnten viele überzeugen, dass wir eine gute Spieltechnik haben,
einen Ball annehmen, gute Tore schießen können. Das sieht man auch
bei der Frauen-Nationalmannschaft, die schon fünf Mal Europameister
geworden ist, eine Bronzemedaille in Sydney bei der Olympiade geholt
hat, Vizeweltmeister wurde. Unser 1. FFC Frankfurt ist schon fünf
Mal Pokalsieger geworden und drei Mal deutscher Meister und UEFA-Cup-Sieger.
Ist der Frauenfußball in anderen Ländern populärer als in Deutschland? In
Amerika wird Frauenfußball bereits von Kind an gespielt und auch
die entsprechende Akzeptanz ist vorhanden. Die meisten Mädchen wollen
dort Fußball spielen und es ist daher auch die Sportart Nummer Eins
für Frauen geworden, noch weit vor Basketball. Dort gibt es auch
die erste Profiliga weltweit. Japan hat es vor einigen Jahren ebenfalls
versucht, ist aber gescheitert. Hier in Europa ist gerade in den
letzten Jahren vor allem in England der Frauenfußball immer mehr
in den Vordergrund gerückt. Die skandinavischen Länder sind uns
weit voraus, denn dort haben Frauen einen anderen Stellenwert, ist
es eher akzeptiert, dass die Frau Fußball spielen darf, während
der Mann vielleicht zu Hause sitzt und den Haushalt regelt. Hier
in Deutschland haben die offensichtlichen Erfolge des Frauenfußballs
immerhin zu einer deutlichen Aufwertung geführt.
Gibt es im Frauenfußball vorwiegend „einheimische“ Teams oder
werden auch gute Spielerinnen „dazugekauft“? Wir hier in Frankfurt
sind keine Profis, müssen tagsüber unserem Beruf nachgehen, kommen
erst abends zu unserem Training und da ist der Verschleiß sehr hoch.
Sehr viele Spielerinnen kommen von außerhalb, müssen oft mehr als
eine Stunde Anfahrt in Kauf nehmen, das ist ein Riesenaufwand. Die
amerikanische Profiliga allerdings zahlt den deutschen Spielerinnen
vergleichsweise sehr viel, etwa 60.000 Dollar pro Saison, und damit
kann man ein Hobby schon zum Beruf machen. Wir hier spielen aber
vor allem aus Spaß, Leidenschaft, Begeisterung und damit wollen
wir auch unsere Zuschauer anstecken. Es wäre natürlich wünschenswert,
dass wir einmal Profis werden und noch bessere Leistungen erzielen.
Mit der jetzigen Doppelbelastung gibt es nur wenig Privatleben,
die Frauen opfern sehr viel für den Fußball und es ist ihnen hoch
anzurechnen, was für einen Kraftakt sie für wenig Geld dafür aufbringen.
Im Gegensatz zu manchen anderen Fußballvereinen haben wir also nur
sehr wenig Geld und könnten es uns gar nicht leisten, Millionen
für Spielerinnen auszugeben. Dafür sind wir sehr leistungsfähig
und stark, wenn es um das Durchhaltevermögen geht.
Ausländische Spielerinnen haben neben allgemeinen Ressentiments
eventuell auch noch kulturelle zu überwinden. Kam das auch bei Ihnen
vor? Das hatten wir in der Vergangenheit schon mehrfach, insbesondere
bei türkischen Mädchen. Da sagen die Eltern, Fußball ist nichts
für meine Tochter, obwohl diese begeistert und talentiert war. Noch
problematischer war es bei einigen Mädchen aus Afrika, die sich
weder ausziehen noch duschen, keine nackten Körperteile zeigen durften.
Mit kurzer Hose aber bleibt der Oberschenkel nun mal frei. So konnten
sie nur mit langen Hosen spielen und das haben wir akzeptiert. Inzwischen
ist auch in dieser Hinsicht mehr Toleranz eingekehrt. Trotzdem glaube
ich, viele Mädchen würden gerne spielen, bekommen es aber von zu
Hause nicht erlaubt, durch die Kultur oder die religiöse Einstellung.
Das kann man nur bedauern, denn Fußball ist die schönste Nebensache
der Welt, er ermöglicht Kommunikation und Integration in der Gesellschaft.
Er ist ein Mannschaftssport, bei dem man lernen muss, miteinander
umzugehen. Nicht zu vergessen ist, dass wir auch Jugendliche von
der Straße holen, ein Auffangbecken für sie sind, wir insofern auch
eine soziale Aufgabe erfüllen.
Interview: Holger Twele
- gesehen im kinofenster.de
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