Sie sind hier: Diverses WM 1982  
 DIVERSES
WM 1930
WM 1934
WM 1938
WM 1950
WM 1954
WM 1958
WM 1962
WM 1966
WM 1970
WM 1974
WM 1978
WM 1982
WM 1986
WM 1990
WM 1994
WM 1998
WM 2002
INAS Fussball-WM
WM 2006

WM 1982
 

Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften

Spanien




 
 



 

 

Fußball Weltmeisterschaft 1982 in Spanien


Talfahrt des deutschen Fußballs

Es ist seine erste Weltmeisterschaft - und die Fußball-Welt spart nicht mit Hohn und Spott: In Spanien wird der Auftritt des neuen Bundestrainers Jupp Derwall und seiner viel gepriesenen Akteure zur beispiellosen Talfahrt des deutschen Fußballs. Zwar werden die deutschen Elite-Kicker Vizeweltmeister, aber das Ansehen ist ramponiert. Bereits im ersten Spiel blamieren sich die Deutschen nach Strich und Faden.

Das 2:1 der Algerier über den amtierenden Europameister geht als "Wunder von Gijon" in die Historie ein. "Ihre einzige Chance, nicht zu verlieren, ist, gar nicht erst anzutreten", hatte "Kaiser" Franz Beckenbauer vorher verlauten lassen. Hochmut kommt meistens vor dem Fall.

Spott und Schadenfreude begleiten die Mannschaft vier Tage lang bis zum 4:1 gegen die desolaten Chilenen, das Karl-Heinz Rummenigge mit drei Treffern fast allein herausschießt. Doch die Unkenrufe gegenüber der deutschen Mannschaft werden nicht weniger - im Gegenteil.

"Fußball-Porno" in Gijon

Im Kampf um den Einzug in die Finalrunde kommt es zum nächsten Skandal, als Deutschland und Österreich ein "Spiel" abliefern, das die Grenze der Ruchlosigkeit offenkundig überschreitet: 1:0 durch Horst Hrubesch schon in der 11. Minute - das ist genau das, was beide brauchen.

Beide Teams schieben sich fortan die Kugel gemächlich hin und her, peinlich genau darauf bedacht, an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Deutschland und Österreich ziehen so in die Finalrunde ein; Algerien, dessen Fans auf der Tribüne verzweifelt mit Geldscheinen winken und dessen Protest abgewiesen wird, ist ausgeschieden. Die niederländische Tageszeitung "Volkskrant" umschreibt die "Schieberei von Gijon" als "ein Stück Fußball-Porno, das in die Geschichte eingehen wird".


 
 
Schumachers Blackout gegen Battiston

Trotz des desolaten Beginns bei der WM wird das Derwall-Team von Spiel zu Spiel besser und schießt sich - mit einem 0:0 gegen England und einem 2:1 gegen Gastgeber Spanien - ins Halbfinale gegen Frankreich. Abermals sind die Deutschen der Buhmann, allen voran Keeper Toni Schuhmacher. Wie von Sinnen springt der Kölner in der 59. Minute seinen Gegenspieler Patrick Battiston brutal an. Die Folge: Battiston muss mit Wirbelbruch und zwei verlorenen Zähnen vom Platz.

1:1 heißt es nach der regulären Spielzeit. In der Verlängerung gehen die Franzosen schnell mit 3:1 in Führung. Doch ein weiterer Treffer von Karl-Heinz Rummenigge und ein sehenswerter Fallrückzieher von Klaus Fischer führen zum 3:3-Ausgleich und zum ersten Elfmeterschießen in der Geschichte der Fußballweltmeisterschaft überhaupt. Deutschland gewinnt es mit 8:7. Im Finale haben aber die Italiener den längeren Atem und holen sich mit 3:1 die begehrte Trophäe.


 
 
Paolo Rossi - Vom Sündenbock zum Liebling der Massen

Ihr Mittelstürmer Paolo Rossi - zwei Jahre zuvor noch in den größten Wettskandal der italienischen Fußball-Geschichte verwickelt, gesperrt und dann rechtzeitig begnadigt - markiert das erste Tor gegen die Deutschen und avanciert mit insgesamt sechs Treffern zum Torschützenkönig der WM. Zuhause erlangt "Pablito", der Traum aller Schwiegermütter, umgehend Helden-Status.

In Südamerika dagegen herrscht Katzenjammer: Die brasilianische "Selecao" mit ihren Filigrantechnikern Zico und Socrates siegt zunächst vier Mal in Folge, doch ausgerechnet in der entscheidenden Partie gegen Italien versagen die Nerven. Brasilien reicht ein Remis für das Erreichen des Halbfinales. 16 Minuten vor Schluss erzielt Rossi jedoch das 3:2, und die spielerisch wohl beste Mannschaft des Turniers verabschiedet sich.

Noch dicker kommt es für Argentinien: Sowohl gegen Italien als auch Brasilien zieht das Team um "Superstar" Diego Maradona den Kürzeren. Und der "Messias" des argentinischen Fußballs - im Nachhinein die personifizierte Enttäuschung - handelt sich gegen die "Selecao" zusätzlich die Rote Karte ein. Der Titelverteidiger beendet die Veranstaltung genauso wie er sie beginnt: mit einer Niederlage.

top




 
Druckbare Version