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WM 1970 |
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Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften
Mexiko
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Fußball
Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko
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Das "Endspiel" im
Halbfinale
Deutschland gegen Italien - nicht nur auf dem
Papier ein Highlight. Beide Mannschaften treffen im Halbfinale der
Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko aufeinander. Über 80.000 Zuschauer im Azteken-Stadion
zu Mexiko-City ahnen anfangs nicht, dass sie noch Augenzeugen eines Klassikers
werden und diese Hitzeschlacht als das "Jahrhundertspiel" in die
Fußball-Weltgeschichte eingeht. Doch ab der 89. Minute ist es in der Tat ein
Gänsehaut-Kick.
Bis zur letzten Zeigerumdrehung verteidigen die
Italiener ihre Führung durch Boninsegna, die er mit einem straffen Schuss
bereits nach acht Minuten erzielt. In allerletzter Sekunde erst gleicht
Schnellinger aus - ausgerechnet der deutsche Verteidiger, der in Italien beim
AC Mailand spielt. Mit einem Spreizschritt trifft er den Ball, überwindet
Albertosi und erzwingt doch noch die Verlängerung.
Und die hat es in sich: Diese zusätzlichen 30
Minuten wird keiner der 22 Akteure auf dem grünen Rasen mehr vergessen. Gerd
Müller bringt die Deutschen in der fünften Minute der Verlängerung in Führung,
dann treffen die Italiener durch Burgnich und Riva zum 3:2. Doch erneut ist der
"Bomber der Nation" zur Stelle, besorgt das 3:3. Was für eine
Dramatik - unglaublich, was sich auf dem Platz abspielt. Noch ist der deutsche
Jubel über den Ausgleich nicht verklungen, da schießt Rivera in der 112. Minute
das entscheidende 4:3 für Italien. Acht Minuten später pfeift Schiedsrichter
Yamasaki aus Mexiko ein Spiel ab, das zur Legende, ja regelrechter Kult wird.
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Rudi Glöckner pfeift das
Finale
Trotzdem findet das Finale nicht ohne deutsche Beteiligung
statt. Denn der 23. Mann auf dem Platz kommt aus Leipzig: Rudi Glöckner,
Schiedsrichter aus der DDR, pfeift die Partie Brasilien gegen Italien am 21.
Juni vor 107.000 Zuschauern im Azteken-Stadion von Mexiko City. Es ist erst
sein achtes Länderspiel als Unparteiischer.
Glöckners Nominierung ist die wohl größte
Überraschung der letzten zwei WM-Wochen, denn sportlich setzen sich die
Favoriten aus Südamerika mit 4:1 durch. Es ist Brasiliens dritter WM-Titel,
weshalb der "Coupe Jules Rimet", die bisherige WM-Trophäe, den
FIFA-Regeln entsprechend endgültig nach Rio wandert.
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Alles Müller - oder was?
Atemberaubender Fußball wird aber auch schon zu
Beginn des Turniers geboten. Dazu tragen neben Ausrichter Mexiko vor allem vier
Teams bei: Brasilien mit einem Pelé in Weltklasseform, England mit dem Willen,
den Titel zu verteidigen, Italien mit dem zur Perfektion gereiften
"Catenaccio" und Deutschland, das vor allem von einem Mann lebt: Gerd
Müller. Schon in den drei Vorrundenspielen trifft der "Bomber der
Nation" sieben Mal. Kein anderer Stürmer erzielt gleich drei Tore in einer
Partie, Müller vollbringt dieses Kunststück zwei Mal - in den Partien gegen
Bulgarien (5:2) und Peru (3:1). Deutschland ist Gruppenerster und Müller wird
am Ende Torschützenkönig mit insgesamt zehn Toren.
Deutsche Revanche gegen
England geglückt
Doch es geht noch besser: Schon im Vorfeld schreibt
die deutsche Presse das Viertelfinale gegen England zur Revanche für die
Endspielniederlage 1966. Und sie haben Recht: England führt schon mit 2:0, aber
die Deutschen geben sich nicht auf. Beckenbauer gelingt der Anschlußtreffer zum
2:1. Und es dauert nicht lange, bis Uwe Seeler mit einem raffinierten Kopfball
per Hinterkopf das 2:2 gelingt. Ein Tor zum Zungeschnalzen. Der Klassiker geht
in die Verlängerung. In der 109. Minute ist es soweit: Gerd Müller
"müllert" abermals, die Revanche für die Finalniederlage 1966 ist
besiegelt.
Deutschland gewinnt nachher das "kleine"
Finale gegen Uruguay mit 1:0 durch ein Tor von Wolfgang Overath. Die WM in
Mexiko hatte höchst attraktiven Angriffs- und Kombinationsfußball geboten - die
Fachwelt ist sich einig, die beste und spannendste WM der Geschichte gesehen zu
haben.
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