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WM 1938 |
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Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften
Frankreich
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Fußball
Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich
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Die Enttäuschung sitzt tief
Nachdem die deutsche Mannschaft bei der WM vor vier
Jahren noch mit einem dritten Rang überrascht hat, gehört sie auch in
Frankreich zum engeren Favoritenkreis. Doch nach dem Trainerwechsel - Sepp
Herberger für Otto Nerz - herrscht ein großes Tohuwabohu: Neu-Coach Herberger
muss auf höhere "politische" Anweisung hin fünf frühere
österreichische Nationalspieler in seinen Kader aufnehmen. Angesichts der
unterschiedlichen Spielsysteme gibt es immense Anpassungsprobleme im neu
formierten Team.
Das ist aber nicht das einzige Handicap: Das
Auftaktspiel zur dritten Fußball-WM bestreitet die deutsche Elf gegen die
Schweiz - und gegen mehr als 40.000 Zuschauer im Pariser Parc des Princes, die
die Herberger-Schützlinge mit wütenden Protesten gegen Nazi-Deutschland
empfangen. Die Spieler haben alle Mühe, den blanken Hass, der ihnen
entgegenschlägt, zu kontrollieren. Als der Wiener Pesser nach einem
Revanchefoul des Feldes verwiesen wird, hagelt es Eier, Tomaten und Flaschen
von der Tribüne. Das Endergebnis hat indes nur noch sekundäre Bedeutung -
Deutschland und die Schweiz trennen sich 1:1 nach Verlängerung.
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Herbergers
Milchmädchenrechnung
Fünf Tage später im Wiederholungsspiel dasselbe
Bild: Die Kulisse im Stadion reagiert ihre Emotionen erneut an der deutschen
Nationalelf ab. Die lässt sich anfangs nicht beirren und legt ein 2:0 vor. Aber
die Schweizer wenden noch das Blatt und gewinnen am Ende mit 4:2. Beweis genug,
dass die einfache Gleichung, zwei gute Nationalmannschaften ergäben ein
"Superteam", weniger ist als eine Milchmädchenrechnung. Das Herberger-Team,
1934 noch Dritter, tritt nach dieser Erstrunden-Blamage resigniert den Heimweg
an.
Das Finale im Pariser Stade Colombes entscheidet am
19. Juni Titelverteidiger Italien mit einem 4:2-Erfolg über Ungarn für sich.
55.000 Zuschauer erleben eine leicht favorisierte ungarische Mannschaft, die
zwar stürmisch angreift, aber hochkarätigste Chancen auslässt. Mit demselben
Ergebnis gewinnt Brasilien das Spiel um Platz drei gegen Schweden.
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