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Chronik der Fußball-Weltmeisterschaften

Italien




 
 



 

 

Fußball Weltmeisterschaft 1934 in Italien


Squadra Azurra" auf dem Gipfel

Rache kann auch bitter sein: Das erfahren die Spieler des Titelverteidigers Uruguay am eigenen Leib. Wegen des Boykotts zahlreicher europäischer Teams vier Jahre zuvor in ihrer Heimat bleiben die Südamerikaner zu Hause. Trotzdem: Die erste Weltmeisterschaft auf europäischem Boden macht die künftige globale Bedeutung dieser Sportart deutlich: 31 Nationen bewerben sich, 16 können nur mitmachen - deswegen gibt es sogar Qualifikationsspiele. Am Ende gewinnt wieder der Lokalmatador. Italien besiegt die Tschechoslowakei im Finale vor 55.000 begeisterten Tifosi in Rom mit 2:1 nach Verlängerung.

Der Erfolg der "Squadra Azzura" ist schon programmiert, bevor der Anpfiff zur ersten Begegnung erfolgt. Denn in Italien regiert in diesem Sommer der Fußball - und das nicht nur wegen der Begeisterung. Der faschistische Staatschef Benito Mussolini unterstützt das Spektakel, wo er kann - auch aus Propaganda-Zwecken. In drei Städten werden neue Arenen gebaut, in Rom und Mailand zumindest alles umgekrempelt und auf den neuesten Stand gebracht. Italien soll glänzen, nicht nur sportlich. Die Folgen sind fatal: Zwei Wochen vor dem Turnier befindet sich die Lira auf Talfahrt, die Handelsbilanz stagniert, der "Duce" kündigt Lohnkürzungen im ganzen Land an.




 
 

Die italienischen Ball-Akrobaten erfüllen indes die in sie gesetzten Hoffnungen. Dem 7:1 im Achtelfinale gegen die USA folgen vier Partien mit Herzschlagfinal-Charakter. Gegen Spanien geht's ins Wiederholungsspiel, das Italien mit 1:0 gewinnt. Kurios: Die Iberer beenden die Begegnung mit sieben Akteuren, zudem wird ihnen ein reguläres Tor aberkannt. Gegen die starken Österreicher reicht den Gastgebern in Halbfinale ein Treffer von Guaita, im Finale schießt Schiavio in der siebten Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer. Es herrscht Begeisterung von den Alpen bis an den Vesuv.

Deutschlands WM-Premiere geglückt

Für die deutsche Nationalmannschaft ist es die Premiere bei einer WM. Und das Team von Trainer Otto Nerz, auf das kaum jemand einen Pfifferling setzt, kommt mit der Außenseiterrolle hervorragend zurecht. Erst im Halbfinale enden Deutschlands Titel-Träume - 1:3 gegen die Tschechoslowakei. Im Spiel um Platz drei in Neapel gibt es erstmal Aufregung: Deutschland und Österreich spielen zunächst im gleichen Dress - weißes Hemd, schwarze Hosen. Die italienischen Zuschauer reagieren mit wütenden Protesten.

Die Folge: Der Schiedsrichter unterbricht die Partie und lässt losen, wer die Trikots wechselt. Zum Leidwesen der Deutschen müssen die sich umziehen. Aber die neuen Textilien bringen Glück: das Nerz-Team behält einen kühlen Kopf und sichert sich durch ein 3:2 - nach Toren von Ernst Lehner (1., 42.) und Edmund Conen (29.) - den dritten Rang hinter Weltmeister Italien und der Tschechoslowakei. Bronze für Deutschland - die Überraschung der WM.

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